Friederike Duhme

Written by Franz Weninger on the 21st of September 2023

Friederike folge ich schon länger auf Instagram und auch durch das von ihr mitbegründete female wine collective wurde ich auf sie aufmerksam. Heuer im Frühling kam sie mit einigen KollegInnen auf unser Weingut und erzählte mir bei dieser Gelegenheit von ihrer nächsten Station als Sommelière: das nineOfive. Friederike ist total unkompliziert und direkt und war mir daher sehr sympathisch. Das nineOfive ist ein sehr erfolgreiches Konzept aus Deutschland: Pizza und guter Wein, gegründet von Sebastian Georgi. nineOfive kommt von der idealen Temperatur – 905 Grad Fahrenheit – für original neapolitanische Pizza. In Wien wurde in diesem Monat ein neuer Standort von Rainer Ziegler eröffnet - Friederike ist die Sommeliére vor Ort. Ich empfehle einen Besuch, wir werden es nach der Ernte nachholen.

Verkostungsnotizen von Friederike Duhme

Mit geschlossenen Augen geradeaus in den Frühling katapultiert, auf saftigen Wiesen wächst wild Kamille und Sauerklee. Hier stehen Obstbäume, die alte Sorten Äpfel und Quitten tragen möchten und Geschichten von Säure und Süße erzählen. Nasse Steine häufen sich im Flussbett eines dahinfließenden Baches, sowieso alles im Flow. Irgendwo produzieren Honigbienen Honig. Dieser Furmint singt ein unbeschwertes Lied. Die Sonne scheint Schluck um Schluck stärker und wir freuen uns auf den kommenden Sommer. Bitte dazu hören: „Portals“ von Laura Misch.

Nicht die Fragen des „wo’s“ und des „wenn’s“ eröffnen sich, sondern die Frage des „warum’s“. Will der Ponzichter ein Statement sein, eine Geste des sich die Hände reichen, eine Wertschätzung und Würdigung der Historie? Für mich schmeckt er nach einem Ort, der versucht wird durch eine unsichtbare Linie getrennt zu werden, welche den Reben eben egal ist. Ein bisschen Herzschmerz und ein bisschen selbstverständliche Gleichgültigkeit. Aromen beinahe nebensächlich. Am besten mit Nachbarn trinken ohne ihn todzudiskutieren und widersprüchlich „On the run“ von Gizmo Varillas hören.

Dieser Blaufränkisch ist zu diesem Zeitpunkt ein wunderbares Beispiel für das Konzept des sich Zeit Lassens. Wie ein Song, der sich aufbauen muss. Um vorzugreifen: dazu bitte „Santa Agnes“ von Aaron und Bryce Dressner hören und sich siebzehn Minuten gehen lassen. Schauen, wie sich Wein und Empfinden verändern. Außerdem braucht er eben Luft, um sein Alter zu kompensieren. Hinter jugendlicher Saftigkeit verbirgt sich selbstsichere Würze und mundwässerndes Tannin. Farbe zieht in den Bann. Ab Minute zehn werde ich sentimental, das ist großer Wein, der einen anstrahlt. Ich möchte diesen Wein meinen Eltern vorstellen.

Die Flaschenpost ist unser Weinabo. Dieses sorgt für den Genuss der von uns zusammengestellten Weine, inklusive der spannenden Kostnotizen unserer Gastautoren.

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