Neue Zeiten, neue Wege - Zertifizierung neu denken
Written by Franz Weninger on the 19th of May 2026Was wir bisher zertifizieren ließen
Um unseren neuen Weg in Sachen biodynamischer Zertifizierung besser zu verstehen, will ich zuerst erklären, was wir bisher zertifizieren ließen:
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Biologische Zertifizierung: Hier gibt es EU-Vorgaben, welche die biologische Landwirtschaft kontrollieren. Der biologische Anbau entspricht einem wissenschaftlichen System, das die Idee verfolgt, ein Produkt ohne Rückstände zu erzeugen. Dieser bleiben wir treu.
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Biodynamische Zertifizierung: Hier gibt es privatrechtliche Vereine, welche sich ihre Wirtschaftsweise zertifizieren lassen. Wir waren bis letztes Jahr Mitglied in zwei Vereinen: Demeter und Respekt. Bei Respekt sind wir Gründungsmitglied und haben auch an der Erstellung der Richtlinien mitgearbeitet.
Diese biodynamischen Zertifizierungen haben wir 2025 auslaufen lassen. Die biologische Zertifizierung nach den EU-Richtlinien führen wir natürlich weiter. Ich erkläre hier warum.
Die Entwicklung der biodynamischen Zertifizierungsstrukturen
Bei jeglicher Zusammenarbeit sind Regeln notwendig. So entstanden im Laufe der Zeit biologisch-dynamische Arbeitsvereine, welche die Zertifizierungen erarbeiten, überarbeiten und kontrollieren lassen – allen voran Demeter.
Da die Biodynamik und Anthroposophie eine ganzheitliche Methode ist, wo die geistige Arbeit einen wichtigen Teil darstellt, ist eine Zertifizierung dieser aber nicht leicht. Wie kontrolliert man die Gedanken von Menschen? Wie kontrolliert man den sozialen Aspekt, den Umgang mit Mitarbeitern? Am Ende bleiben in den meisten Richtlinien nur die kontrollierbaren Handlungen übrig – allen voran die Präparate, da diese am einfachsten zu kontrollieren sind.
Demeter Österreich hat hier im Laufe der Zeit nachgebessert – ob das die Arbeitsgruppen sind oder die Betriebsschau: Das sind meiner Meinung nach sinnvolle Ideen, denn durch den Kontakt mit Gleichgesinnten fühlt man schnell, ob man sich in dieser Gruppe wohlfühlt.
Warum wir uns getrennt haben
Wie auch in allen anderen Vereinen werden diese Strukturen im Laufe der Zeit immer komplexer und größer. Oft entwickelt sich auch ein Verein in eine andere Richtung als man selbst. Aber allen voran wird der Overhead immer größer – es braucht mehr Angestellte, mehr Kontrollen, und vor lauter Papierarbeit verliert der Verein die Idee, die Vision aus den Augen.
Konkret: Dinge, die wir nicht mehr mittragen wollten: Bei Respekt ist es die Idee des Marketings, welches nicht mehr unseren Vorstellungen entsprach. Bei Demeter eher das ruhige Abwarten und Nicht-Reagieren auf aktuelle Fragen, was uns immer schwer fiel mit anzusehen. Sei es die Diskussion über das Erlauben der Lesemaschine oder die Frage der Tiereinheiten pro Hektar in einem immer trockener werdenden Klima.
Uns wurde klar, dass die meisten Landwirte in diesen Gruppen ganz genau wissen und bewusst arbeiten – und somit oft besser arbeiten, als die Regeln erlauben. Somit kommt es dazu, dass diese Regeln wie ein Korsett wirken, welches freie Entwicklung verhindert.
Rudolf Steiner selbst hat das vorausgesehen: Der Mensch entwickelt Eigenschaften und Funktionen an sich, deren Bestimmungsgrund wir nur in ihm selbst suchen können. Das Gattungsmäßige – also Vereine, Statuten, Paragraphen – dient ihm dabei nur als Mittel, um seine besondere Wesenheit auszudrücken. Es soll Hilfsmittel sein, kein Korsett.
Wir sehen diesen Schritt als Weg zu unserer individuellen Freiheit. Wir wollen unsere Biodynamie selbst weiterentwickeln und interpretieren.
