Petra und Franz im Gespräch mit Kathrin Gindl

Petra und Franz im Interview

Wo ist der „Rotwein aus dem Blaufränkischland“ als ein „Weninger Wein“ erkennbar?

Franz: Ich denke das kommt aus der Geschichte. Wir haben uns nie dem Markttenor angepasst und mit der Zeit sehen die Kunden, dass hinter dem wertigen Wein auch ein Charakter vom Winzer steckt. Wir hören immer wieder: wir sind so anders. Dabei fällt uns das selbst gar nicht so auf.

Zu eurem markanten Etikett gibt es ja die wildesten Interpretationen. Wie ist das entstanden?

Franz: Die Flasche ist ja meist kalt und das Etikett sollte eine Wärme und Weichheit bringen, wenn man sie in Händen hält; also ein haptisches Element sein. Durch einen Zufall entdeckten unsere Innenraumdesigner die neun Löcher am Abluftgitter eines Klimaschrankes im Verkostungsraum. Diese Formation haben wir einfach grafisch übernommen. Das war die stilistische Entstehung. Das für uns wesentlich Schönere und Faszinierendere sind die kunstvollen Imaginationen, was es darstellen kann. Das drückt auch unsere Offenheit aus: „Schau rein. Wir sagen dir nicht, was richtig und was falsch ist. Es ist so wie es ist.“

Der biologische Weinbau tanzt – bei guten Bedingungen – Walzer, bei schlechteren Boogie Woogie. Womit tanzt ihr aus der Reihe?

Franz: Das Ziel der Biodynamie ist es, die Balance und die Harmonie zu finden zwischen Mensch und Natur. Das ist eigentlich unser Tanzschritt.

Petra: Wichtig ist, dass es kein schwarz-weiß Denken gibt. Es gibt auch viel Unbewusstes, das in die Weinwerdung und das Runde drumherum mit einfließt. Manchmal hat man so Momente, wo man sich denkt: So. Jetzt weiß ich, wie es geht. Das ist es. Und dann kommt die nächste Ernte (lacht).

In eurem Keller stehen viele kleine und große Holzfässer, einige Stahltanks. Und in den Betonkammern wohnen die Praktikanten?

Franz: Nicht ganz. 2006 waren wir in Georgien, um zu sehen, wie dort Wein gemacht wurde. Da war damals eigentlich garnichts von dem da, wie man jetzt Georgien sieht. Eigentlich waren überall riesige Tanks und Fässer. Es gab nur ein paar kleine Winzer, die französischen Einfluss hatten und mit Amphoren experimentierten. Z.B. war selbst Slowenien schon viel früher dabei, in Tonamphoren Wein zu machen. Wir haben uns dann selbst eine anfertigen lassen und parallel dazu auch (wieder) mit dem Beton als Material. Mein Großvater hat früher schon Wein in Beton ausgebaut.

Du wirkst wie ein Weingartenbewohner. Mit „Wochenend-Fassl“ im Keller, um von den Naturkräften runterzukommen, dich zu sammeln.

Franz: Ja! (lacht). Das beschreibt mich am besten. Ich sehe bei uns vor allem ein starkes Wachstum nach Innen.

Petra: Was ist die Aufgabe unserer Generation und wie finden wir den Kontext zu allem, das uns umgibt. Die Frage ist, wo stehen wir in der Familiengeschichte und wie agieren wir darin „dynamisch“.

Franz: Wachstum nach Innen, bedeutet auch vertiefen. Die Lagen, den Geschmack, die Essenz daraus. Du brauchst ein Ziel. Du brauchst Leute, die mit dir gemeinsam den Weg bestreiten, einen Teil mittragen. Sie sind dein Team, deine Partner. Von den Weingartenmitarbeitern bis zu den Händlern weltweit. Auch hier musst du es schaffen, eine Balance herzustellen. Es ist wichtig, dass alles stimmig ist. Die Balance von Reduktion und Oxidation.

Was macht euch persönlich glücklich bei all der Arbeit Jahr für Jahr?

Petra: Für eine angenehme Zusammenarbeit ist uns auch wichtig, dass die Chemie stimmt. Am meisten freut uns das spontane Feedback von außen. Die Wertschätzung ist für uns einfach ganz besonders wichtig. Dadurch wissen wir, dass wir am richtigen Weg sind.

Franz: Es geht uns auch darum, dass wir mit Menschen zusammenarbeiten, die unsere Weine verstehen und sie transportieren. Da ist uns kein Marketingimage wichtig, das schon im Vorhinein das Wesen unserer Weine festlegt. Es braucht dazu eine harmonische Interaktion, einen offenen Blick für die Welt und Energie, die man nicht nur gibt, sondern auch wieder zurückbekommt. Das kann auch – wie gesagt – ganz unvorhersehbar sein. Wir suchen da nicht aktiv nach Bestätigung. Die Lüge führt schnell zum Erfolg, aber die Wahrheit bleibt beständig.

Was bedeutet für euch konsequenter Weinbau?

Franz: Das Winzerdasein ist eine harte und lebenslange Schule im Einklang mit der Natur. Man entwickelt mit der Zeit aber ein Verständnis für die Abläufe, die einen irgendwann entspannter werden lassen. Ich verzichte z.B. so gut wie möglich auf Schwefel. Du musst zwar natürlich immer wieder den Wein im Fass kosten, es ist aber noch wichtiger, dem was du tust, Vertrauen zu schenken. Denn es wird gut, du hast alles dafür gemacht. Dieses Grundvertrauen ist extrem wichtig, auch wenn ich mir selbst noch schwer tue, und auch ein bisschen hin- und hergerissen bin. Ich muss lernen, die Kontrollfixierung noch mehr von mir zu lösen.

Petra: Es gibt trotzdem Momente, da weißt du: der Wein ist noch nicht „fertig“. Du wirst unsicher und plötzlich verändert sich deine selektive Wahrnehmung. Genau dieses Fass oder diese Linie, fällt dir dann besonders auf. Das, was du dir aber immer wieder verinnerlichen musst ist, dass du alles getan hast, das alles gut wird. Auf unsere Weine musst du dich einstellen und erst dann kannst du sie verkosten.

Woher nimmt man die Nerven, dem Wein so viel Raum zu geben. Eure Verantwortung ist hier doch relativ groß?

Franz: Als ich 2006 mit den Amphoren begonnen habe, war ich im Status: ich tu nix. Ich bin dann draufgekommen: man tut immer was. Auch wenn du nichts tust, tust du was, nämlich nichts. Es ist eben ein bewusstes Nichtstun. Ich schneide die Reben , lasse den Boden begrünen, du erntest und presst ihn. Also würde nix tun eigentlich bedeuten, dass ich den Wein am Rebstock hängen lasse. Da versuche ich immer den Kontext zum Thema Natural Wine zu finden. Du tust nämlich sogar sehr viel, um die Balance zu finden und zu halten!

Ist ein guter Boden schon ein „Grund“ für Weinbau? Wo fängt das Weinhandwerk an?

Franz: Aus philosophischer Sicht, wurde der Mensch aus der Erde geformt. Wo enden wir? … Humus bedeutet Human, der Mensch. Wenn du lebendigen Wein produzieren möchtest, dann musst du auch die Dinge mit dem Wissen und Verstand betrachten, dass alles Tote auch wieder zum Leben erweckt wird. So gesehen stehen wir auf einem Friedhof. Unter unseren Füßen sind Millionen Tierchen und Bakterien, die abgestorbenes Material in Energie umwandeln. Das kann man auch gern Seele nennen, es ist wie eine Art Auferstehung. Der Samen fällt in diese Erde, wird zur Pflanze. Diese nimmt die Stoffe aus der Erde zu sich, lässt die Trauben entstehen und wir machen daraus dann Wein. Wenn die Rebe stirbt, beginnt der Zyklus von vorne. Alles Lebendige, das stirbt, kommt in diesen Zyklus.
Wenn man möchte, ist Wein ein Übersetzer der Sprache des Bodens. Was man schon oft übersieht ist, dass die Rebe mit dem Menschen eine Beziehung eingegangen ist. Wir kultivieren den Weingarten, wir pflegen ihn und ohne den menschlichen Einfluss, stirbt er.

 

Herzlichen Dank Kathrin Gindl für das sympathische und spannende Gespräch!


Hinweis: Das Interview ist im Zuge des „Winzer des Monats – März 2017“ bei Wein & Co. entstanden. Kathrin Gindl, die Weintexterin, war im Auftrag der wahren Winzerworte bei uns am Weingut, um das Interview im Zuge des „Winzer des Monats – März 2017“ bei Wein & Co. zu führen.

 

0 Kommentare

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*