Franz L. Weninger

Written by Anna Schumann on the 21st of June 2020

Anna Schumann im Gespräch mit Franz Ludwig Weninger

Ein lauer Frühsommertag mit tief hängenden Wolken kündigt dringend benötigten Regen an. Ich sitze an einem langen, einladenden Holztisch. Auf dem Tisch stehen zwei Gläser und drei Weine. Mir gegenüber Franz Ludwig Weninger. Was er seinem Sohn sichtbar vererbt hat ist das herzliche Lachen, die funkelnden Augen und der fragende Blick. Was die beiden verbindet? Die endlose Neugier auf Neues, aber auch die Besinnung auf das, was einem gegeben ist.

Wir befinden uns im alten Wohnhaus der Familie Weninger. Franz Senior wurde genau in diesem Haus zur Welt gebracht. Zusammen beginnen wir unsere Verkostung mit dem Wein, der seiner Mutter Rózsa Petsovits gewidmet ist. „Schön ist er, der Rosé. Eher wie ein leichter Rotwein. Nase ist floral. Waldbeeren. Wird immer intensiver. Der Rosé gewinnt an Kraft und Länge durch Tannin und Gerbstoff. Und klingt dann, bei dieser Frucht in der Nase glaubt man süßlich, aber dann trocken aus. Der Vorgänger war ein bisschen wilder. Aber der hier gefällt mir noch besser. Wunderschön.“ Franz schenkt sich einen weiteren Schluck ein. Zum Nachfühlen. „Was ich noch dazu sagen muss, zu dem Wein. Wir haben eine sehr frühe Ernte gemacht. Eben um die Säure und damit die Frische zu erhalten. Die Idee von diesem Rosé war für mich eine Überraschung. Den ersten haben wir glaube ich 2016 gemacht. Es waren ziemlich viele gebrauchte Barriquefässer mit Rosé aus Syrah-Trauben voll. Und der Franz ist nach Balf kosten gekommen. Der Wein hat noch ein bisschen nachgegoren. Es war wahrscheinlich März oder April. Also wie es im Keller wärmer geworden ist, hat er wieder angefangen zu gären. Und Franz kommt und sagt: ‘So füll man ab!’ ‘Bist verruckt, den kannst ja so nicht ab- füllen’, war meine Reaktion. Dann haben sie ihn mit Kronenkork abgefüllt. Er ist gut angekommen und dann hat sich das so entwickelt. Früher haben wir Rosé ja kaum am Markt gehabt.“ Wir betrachten das Etikett mit der Zieh- harmonika spielenden Rózsa. Ich frage Franz wie seine Mutter den Richtungs- einschlag nach Ungarn mit den Investitionen des Weinguts in Villany und den Kauf der Weingärten in Balf aufgenommen hat. „Als ich 1992 mit Attila Gere die Kellerei gründete, war sie eigentlich begeistert, muss ich sagen. Der erste Besuch, das weiß ich noch genau, wie Attila und Kathi gekommen sind. Von Deutschland sind sie heim gefahren und haben hier unangemeldet halt gemacht. Wir waren gerade am Stausee in Ritzing. Und meine Mutter ist mit ihnen an den Stausee gefahren. Die ganzen Badegäste ist sie durchgelaufen als alte Frau und hat mich gesucht. Sie war sehr pflichtbewusst. Eine echte Winzerin. Ihr Vater war schon immer gern Weinbauer. Die Petsovits waren mehr Weinbauer als die Weninger. Die waren mehr im Ackerbau daheim. Sie hat immer die Einteilung gemacht. Einen neuen Weingarten auspflanzen und der Vater hat müssen. Und hat gschimpft. Er war nicht für den Weingarten. Es war eine harte Arbeit.“ Und Ungarn? „Den ersten Schritt hat sie bejaht. Beim zweiten Schritt – die Weingärten in Balf – war sie schon ein bisschen krank. Sie hat Angst gehabt die Arbeit wird uns zu viel und hat uns von Balf abgehalten. Sie hat immer geschimpft, wenn ich wieder einmal spontan nach Balf rüber musste. Hier in Horitschon haben wir den Keller gebaut und in Balf hab ich auch gebaut. Da waren ein Haufen Handwerker im Haus und ich musste schon wieder wegfahren. Sie hat aus dem Fenster den Arbeitern zu- gesehen. Wenn die Handwerker gestanden sind, hat sie schon den Kopf geschüttelt. Sie war eine tüchtige Frau und mit Leib und Seele Weinbäuerin.“ Der zweite Wein rinnt in die Gläser. Der Kékfrankos, die Blaufränkische Eröffnung des Balfer Sortiments. Der aktuelle Blogbeitrag Weninger in Ungarn – eine lange Geschichte auf der neuen Weninger Website brachte mir wieder die Geschichte der Familie auf ungarischem Boden näher. Hat Weninger in Balf von Anfang an biodynamisch gearbeitet? „Ja, das kam sofort. Am Anfang aber war der geschmackliche Unterschied nicht so groß. Wir haben nach wie vor geschwefelt und filtriert. Dann mit der Reduktion des Holzeinsatzes, des Schwefels und der Filtration kam auch mehr Klarheit und Eleganz in die Weine. Das hat der ungarische Markt gar nicht verstanden. Jetzt hat sich das wieder etwas geändert. Aber jetzt zum Wein. Das Jahr 2018 brachte eine gute Menge ein. Sehr gute reife Trauben, aber ein eher kühles Jahr. Da haben wir bei der Ernte ziemlich gepokert. Zuerst hieß es warten. Und plötzlich musste alles sofort runter vom Stock. Dann ist der Regen gekommen. In Balf geht das sehr schnell, dass die Schale dann zerfällt. Dass die Trauben lätschert werden und zu schrumpfen beginnen. Der Wein bringt das typische Balf mit sich. Das Weiche, Elegante. Ein wunderbarer Trinkwein, was der klassische Einstieg auch sein soll. Dörrpflaumen kommen einem entgegen. Leicht erdig. Waldboden. Es kommt ein schöner, zarter Blütenduft durch. Lindenblüten. Umso mehr ich ihn koste, umso harmonischer wird er.“ Mit dem Jahrgangswechsel von 2015 auf 2016 gewannen die Weine zunehmend an Leichtigkeit. Das nahm ihnen in keinstem Fall den Charakter. Ganz im Gegenteil. Es machte die Züge nur noch klarer und etwas feiner. Franz meint, es liegt an der Kombination von biodynamischem Weinanbau und dem Entschluss, wesentlich früher zu ernten: „Ich habe in Horitschon auch immer spät gelesen, so wie Franz in Balf. Dann haben wir gewechselt und haben, er fast noch extremer wie ich, früher geerntet. Die Leute wunderten sich, warum der Weninger Anfang September ernten fährt. Nicht Zweigelt, sondern Blaufränkisch. Es war gut, es hat gepasst. Alles wurde eleganter, zugänglicher. Natürlich hat das auch mit der jahrelangen biodynamischen Bewirtschaftung zu tun. Weil die Trauben auch mit 18 Grad reif sind. Es ist eine andere Reife. Der Rebstock ist ausgeglichener und beginnt früher zu reifen.“ In der Weinbauschule lernte ich, die einzelnen Komponenten der Beere und des Kamms auf die physiologische Reife zu testen und darauf zu warten, dass alles seine Richtigkeit hat. Franz erklärt mir, er habe sich in den ganzen Jahren ein Geschmacksbild angeeignet, in dem er einfach die Beeren auf balancierte Reife verkostet ohne zu viel auf den visuellen Eindruck zu geben. Das Vertrauen wächst mit der eigenen Erfahrung.
Der letzte Wein in dieser Kostrunde: Blaufränkisch Kirchholz 2014. War die Lage Kirchholz schon immer bei den Weninger Weingärten präsent? „Ja, Kirchholz war immer schon eingetragen. Der Unterschied zu anderen Weingärten, zu Hochäcker, war schon immer da. Mehr steiniger, lockerer Boden, kleinere Trauben. Das war damals nicht so gern gesehen. Das Jahr 2014 war sicher das kühlste und komplizierteste Jahr seit langem. Nass war es. Ich weiß noch, als ich Anfang September von einer Präsentation nach Hause gefahren bin, hat es vom Wörthersee bis zuhause geschüttet wie aus Kübeln. Der Duft ist schön. Eine gute Frische. Für seine sechs Jahre find ich ihn jung, sehr lebendig. Ein Wein, bei dem du sofort Lust auf den nächsten Schluck hast. Jetzt erinnert er mich an die ersten Weine die ich gemacht habe. 1976, Kabinett damals noch. Die sind heut noch gut zu trinken und haben 11,5 Alkohol. Damals stand schon Kirchholz auf der Flasche. Das hier ist ein stimmiger Wein. Ein Gemüsegarten in der Nase. Nussig. Olivenöl. Wein- gartenblüten. Etwas brotig, leicht pelzig. Breitet sich im Gaumen aus. Verträgt Luft.“ Wir blicken in unsere Gläser. Gedanken kreisen um Erinnerungen. Es hat zu regnen begonnen.

Die Flaschenpost ist unser Weinabo. Dieses sorgt für den Genuss der von uns zusammengestellten Weine, inklusive der spannenden Kostnotizen.

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