Geomantische Steine im Weingarten

Stein_PhilippBreidler

„Unser Ziel ist es, den Geschmack des Platzes in die Flasche zu bringen. Das Gefühl eines Platzes kann man wissenschaftlich nicht erfassen und so ist es auch wissenschaftlich nicht möglich festzustellen, warum man im Wein den Boden und das Klima spüren kann. Was wir verändern können ist das Gefühl, die Energie am Platz. Und diese Energie spüren wir dann auch in den Weinen.
Seit der Übernahme des Betriebes 2011 beschäftige ich mich intensiv mit meinen Weingärten und Lagen. In unserem Projekt Sound of Terroir im Jahr 2012 wurde versucht das Gefühl des Weins und der Lage musikalisch umzusetzen. 2014 wurde versucht es poetisch umzusetzen. Bei dieser anderen Art der Beschäftigung mit den Weingärten fielen mir die Stärken aber auch Schwächen der einzelnen Langen auf. Mit großer Freude arbeitete ich mit Janina an diesen Stärken und Schwächen über die Geomantie im Weingarten.“ Franz R. Weninger

Was ist Geomantik

Geomantie oder Geomantik (altgriechisch: γῆ [ɡɛː] „Erde“ und μαντεία [mantaia] „Weissagung“, also in etwa Weissagung aus der Erde) ist in der Esoterik eine Form des Hellsehens, bei der Markierungen und Muster in Erde, Sand, Steine und Boden zum Einsatz kommen. Man nimmt das arabische Nordafrika als Ursprungsort an. Im zwölften Jahrhundert gelangte die Geomantie durch lateinische Übersetzungen arabischer Werke nach Europa und wurde in der Zeit der Renaissance zu einer beliebten Methode der Wahrsagung. Heute ist die Geomantie im ursprünglichen Sinn in Europa fast verschwunden.  (Quelle: Wikipedia)

Die Lithopunktur als Erdheilung

„Mit dem Begriff Lithopunktur wird eine Methode der ökologischen und ganzheitlichen Erd-Heilung und Ausbalancierung eines Landschaftsraumes oder Ortes benannt, die der slowenische Künstler Marko Pogacnik entwickelt hat. Die Methode ist vergleichbar mit der Akupunktur beim menschlichen Körper, daher ihr Name (griech. lithos – Stein und lat. punctura – Einstich).
Auf Energiezentren oder bedeutsame Punkte eines Ortes werden Steine platziert. Ein Lithopunkturstein zeigt ein eingemeißeltes Zeichen oder zeigt in seiner ganzen Gestalt eine symbolische Figur. Das Symbol des Steins repräsentiert die Qualitäten des Ortes an dem der Stein steht und unterstützt und verstärkt die gewünschten Qualitäten. Durch seine Präsenz und mit der im Zeichen eingeprägten Information wirkt der Stein energetisch auf seine Umgebung und den Betrachter.“, erklärt Janina ihren Arbeitsansatz mit den geomantischen Steinen.

Geomantische Steine in unseren Weingärten

Das Lithopunkturprojekt in den Weingärten des Weinguts Weninger in Horitschon (Mittelburgenland, Österreich) ist in Zusammenarbeit mit dem Winzer Franz R. Weninger in den Jahren 2013/14 entstanden. Die Weingartensteine sind spiritueller Bestandteil der biologisch-dynamischen Arbeitsweise des Weinguts. 9 Lithopunktursteine stehen in den verstreut gelegenen Weingärten um das Weingut in Horitschon – auf den Rieden Gfanger, Hochäcker, Raga und Dürrau. Einer steht in den Weingärten des ungarischen Weinguts in Balf, ein weiterer im Südburgenland im Weingarten der Familie Schürmann.

Die Steine repräsentieren die Qualitäten des Ortes an dem der jeweilige Stein steht oder unterstützen und verstärken die gewünschten Qualitäten der jeweiligen Riede. Einige sind dem Schutz vor oder dem Ausgleich von Umwelteinflüssen oder dem Geist des Ortes gewidmet. Da wo es möglich war, sind die Steine mit ihrem Symbol auf das Weingut in Horitschon hin ausgerichtet.
Einem Stein kommt dabei eine besondere Aufgabe zu: Der Zentrumsstein steht im Weinkeller des Weinguts und verbindet alle Steine und Rieden mit dem Weingut.
Bei den Steinen handelt es sich entweder um Kalksteine, die aus den Feldern um den Weingarten der Kalkofenlage im Nachbarort Ritzing geborgen wurden oder um Kalksandsteine aus dem nahe gelegenen Römersteinbruch Sankt Margarethen. Sie sind im Wesentlichen in ihrer Form belassen worden. Gelegentlich sind sie in der Oberfläche stärker bearbeitet um Spuren von Ackergeräten zu minimieren oder den Stein den Arbeitsbedingungen im Weingarten anzupassen. Diese Feldsteine sind in ihrer Struktur inhomogen und oft bröselig. Dadurch mussten die Symbole schlicht gestaltet werden.

Das Zentrum

Durch die burgenländische Erbteilung sind Weningers Weingärten auf 50 Parzellen und 6 Hauptrieden verstreut. Der Stein aus dem Römersteinbruch Sankt Margarethen stärkt und betont das Zentrum und verbindet Bogen spannend die 8 Rieden und die 11 Lithopunktursteine.
Er ist gleichsam Konzentrationspunkt und Expansionspunkt: im Weingut werden alle Horitschoner Trauben gesammelt und zu Wein verarbeitet und von hier gehen alle Gedanken und Energien in die Weingärten, bis in die Weingärten des Weinguts in Balf (Ungarn) sowie den Weingarten Saybritz bei Eisenberg im Südburgenland.
Zentrumsstein geomantische SteineAuf dem Zentrums-Stein sind die geographischen Richtungen der sechs Hauptlagen des Weingutes angedeutet, ausgehend von einem Sonnensymbol mit eingebundenem zunehmendem Mond. Die Sonne steht als Symbol für das Zentrum des Weinguts und taucht auch im Logo der Weninger Weine auf. Sie repräsentiert die männlichen Qualitäten und betont das Strahlen aus der Kraft der eigenen Mitte heraus. Der Mond repräsentiert die weiblichen Qualitäten wie Schönheit, Kreativität, Kommunikation, Empathie. Beide Energien sind gleichermaßen wesentlich für eine kraftvolle Entwicklung, Beständigkeit und gesunde Lebendigkeit.
Durch seinen Standort im Weinkeller und seine Gestalt lädt der Stein zur Kommunikation ein. Er ruht auf einem Sockel aus geflammter Pappel – Planung und Ausführung durch Jochen Luger, Horitschon.

 

Der Gfangerwald

Der Gfanger-Wald befindet sich auf einer Hügelkuppe mit Blick auf Horitschon und Raiding und ist umgeben von Weingärten. Hier stehen zwei zusammenwirkende Steine, die auf einer Linie mit dem Weingut Weninger in Horitschon ausgerichtet sind.
In diesem Wald befindet sich ein Energiezentrum, gehütet von einem fröhlichen Naturgeist. Die Energiequelle versorgt wie ein Springbrunnen die umliegenden Weingärten. Sie ist in beiden Steinen in der Mitte als Mulde bzw. Loch symbolisiert.

Weingartenstein Grangerwald Geist des OrtesGeist des Ortes

Ort: im Gfanger-Wald
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing
Dieser Stein ist dem fröhlichen Geist des Ortes gewidmet, der Hüter der Energiequelle.

 

Weingartenstein Gfangerwald RiedensteinRiedenstein

Ort: am Waldrand des Gfanger-Waldes
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing
Dieser Stein ist der Energiequelle und den umliegenden Weingärten gewidmet. Angedeutet sind die Weingärten; der direkt anliegende Weninger-Garten ist feiner ausgearbeitet und liegt rechts von einem unbewirtschafteten Teil, in dem fröhliche Wesenheiten leben, symbolisiert durch Halbkugeln.

 

Raga – Ausgleich

Ort: Horitschon Ragaweg am Beginn der Kuppe in den Weingärten – ca. 100 rechts vom Weg
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing

Weingartenstein Raga AusgleichDie Riede Raga ist wie keine andere Ziel des Hagels. Steht man am Ende des Horitschon Ragawegs oben auf dem Hügel, kann man den Weg, den der Hagel von Ritzing aus hierher nimmt, erahnen. In der Biodynamie kann zur Hagelabwehr Baldriantee unmittelbar vor Eintreffen des Hagels um den Weingarten gesprüht werden. Der Stein nimmt das Thema des Baldrians auf: Baldur ist der germanische Licht- oder Sonnengott – der friedlichste und beliebteste Gott dieser Mythologie. Daher finden sich Sonne und Mond – die beiden Lichtspender – im Symbol wieder, die gleichzeitig für den Ausgleich der Naturkräfte stehen. Der Baldrian selbst steht für die Bezähmung von wilden Gemütern – hier der wilden Form des Elementes Wasser.
Bei der Abwehr von für uns Unangenehmen verbinden wir uns meist nur mit den ungewünschten Aspekten – hier der Zerstörung von Blüten und Traubenansätzen. Der Stein trägt daher auch das Symbol „Y“, das seid je her für die Verstärkung von Positivem steht, denn auch der Hagel hat positive Aspekte: er wirkt ausgleichend in der Atmosphäre und bringt Wasser. Die Steine in Ritzing und Raga stehen in Beziehung zu einander; sie stehen am Anfang und am Ende der Hagelzone nahezu auf einer Diagonalen – daher ähneln sie sich in der Symbolik. Sonne, Mond und Wasser in seiner erwünschten flüssigen Form tauchen auf beiden Steinen auf. Beim Ragastein ist die Welle jedoch auch formgebend und nimmt gleichzeitig den Energiefluss hangabwärts auf.

 

Hochäcker – Kirchholz

Die Riede Kirchholz ist eine Subriede der Riede Hochäcker und wird bei den Weningers als eigener Lagenwein ausgebaut, da sich das Terroir und der Geschmack der Weine deutlich unterscheiden. Beide Lagen sind gegensätzlich wie ungleiche Brüder: Hochäcker mit zu viel Wasser – Kirchholz mit wenig, Hochäcker ist biodynamisch gesehen eher kühl – Kirchholz eher heiß, im Hochäcker ist es ruhig, im Kirchholz abwechslungsreich und lebendig. Sie ergänzen sich und sind Gegenspieler was Lebendigkeit und zwei charakterlich unterschiedliche Weine hervorbringt.
Die Steine stellen diese Gegensätzlichkeit durch das Yin-Yang-Zeichen dar, dessen zwei Teile von einander getrennt auf den Steinen erscheinen wobei im „Yang-Garten“ das Yin-Symbol steht und im „Yin-Garten“ das Yang-Symbol. Die Symbole sind gegensätzlich gearbeitet: auf dem einen Stein konkav, auf dem anderen konvex.

Weingartenstein Hochäcker YangHochäcker – Yang

Ort: Hochäcker, beim Roten Kreuz rechts abbiegen, die nächste links abbiegen – rechts vom Weg kurz vor der Hügelkuppe
Steinherkunft: Römersteinbruch Sankt Margarethen
Das Yang-Zeichen (konkav gearbeitet) steht u. a. für Hitze und Aktivität – Qualitäten, die in dieser Lage zum Ausgleich verstärkt werden sollen. Zusätzlich finden sich auf dem Stein Dreiecke, die in der Biodynamie Symbol für Drainage und Luftigkeit eines Bodens sind, die der schwere Lehmboden des Hochäckers braucht.

Weingartenstein Hochäcker YinKirchholz – Yin

Ort: Kirchholz, links am Güterweg zum Rotes Kreuz
Steinherkunft: Römersteinbruch Sankt Margarethen

Das Yin-Zeichen (konvex gearbeitet) verstärkt die Qualitäten, die im Kirchholz weniger ausgeprägt sind: Es steht unter anderem für Kühle und Ruhe.

 

Dürrau – Abschirmung vor Elektrosmog

Weingartenstein Dürrau AbschirmungOrt: im rechten Weingarten am Güterweg Horitschon Biotop-Stadlwiesen, in der 10. Rebzeile vom Dorf kommend direkt unter der Hochspannungsleitung (Bedarf nach Abschirmung)
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing

Dieser Weingarten der besten und ältesten Riede in Horitschon liegt direkt unter einer Hochspannungsleitung. Das Symbol (nach Körbler) auf dem flach liegenden Stein entstört das elektromagnetische Feld.

 

Kalkofen – Ritzing

Hier stehen drei zusammenwirkende Steine, die nahezu auf einer Linie mit dem Weingut stehen. Die beiden Steine im Weingarten nahe beim Ort Ritzing, beziehen sich aufeinander und spannen eine Diagonale über den Weingarten von Norden nach Süden. Die Trauben am oberen Hang werden später reif als die unteren. Die beiden Steine nehmen daher in ihren Symbolen die Richtung des Energieflusses hangabwärts auf und leiten sie gleichzeitig wieder aufwärts zurück, sodass die Energie länger im Weingarten verweilt. Zwei Steine sind dem Thema Hagel gewidmet.

Weingartenstein Ritzing Liebe und Schönheit

Liebe und Schönheit

Ort: obere nördliche Ecke des Weingartens
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing

Liebe und Schönheit sind die Themen dieses Steins in dessen Zeichen ein Herz integriert ist.
Die schwungvolle Linienführung nimmt den Energiefluss des Hangs auf.

Weingartenstein Ritzing Behütung, Kraft und EntwicklungBehütung, Kraft und Entwicklung

Ort: untere südliche Ecke des Weingartens, Horitschoner Straße Ecke Zwerchäcker
Steinherkunft: Römersteinbruch Sankt Margarethen

Die Ritzinger Weingärten sind immer wieder Ziel des Hagels – der Stein spannt mit seinem Symbol eine Vogelschwinge über den Garten als Schutz vor dem Hagel. Die spiralförmige Linienführung nimmt einerseits den Energiefluss des Hangs auf und steht als linksdrehende Spirale für das expansiv männliche Prinzip – Kraft und Entwicklung.

Weingartenstein Ritzing AusgleichAusgleich

Ort: am Anfang der Obstbaumreihe zwischen den beiden südlichen Weingärten der Kalkofenlage
Steinherkunft: Feldstein aus Ritzing

Wie der Stein „Behütung“ nimmt dieser das Phänomen Hagel auf. Zentrales Thema der Symbolik von Sonne und Mond ist hier der Ausgleich der Naturkräfte sowie die Harmonisierung, die in der biodynamischen Sichtweise durch eine Welle symbolisiert wird, die hier gleichzeitig wie der Mond für das Element Wasser in seiner (erwünschten) flüssigen Form steht.

 

Saybritz (Eisenberg, Südburgenland)

Weingartenstein Südburgenland Saybritz ErdungLeichtigkeit bewahren und erden, Fülle

Ort: in der Mitte des Weingartens
Steinherkunft: Römersteinbruch Sankt Margarethen

Der Weingarten Saybritz der Familie Schürmann liegt im Südburgenland und zeichnet sich durch blauen und roten Schiefer im Boden und eine steile Hanglange aus. Der Weingarten und auch der Wein sind luftig, leicht und verspielt. Man kann den Eindruck gewinnen „der Wein fliege davon“ (Franz R. Weninger). Der Stein bewahrt die Leichtigkeit und erdet die Lage und den Wein. Es ist ein Kalksandstein aus Sankt Margarethen gewählt worden, wie er auch in Horitschon mehrfach zum Einsatz kommt, um über die weite Entfernung eine Verbindungen zum Weingut zu schaffen. Der Stein ist wie ein Keil spitzzulaufend und ragt in das Fundament und den Boden hinein, um das Thema der Erdung auch über das Material aufzunehmen. Auf der dem Haus zugewandten Seite ist das Logo der Lage Saybritz aufgegriffen worden, das vereinfacht, vor allem aber geerdeter ausgearbeitet ist: die Wurzeln des Weinstocks/Familienstammbaums – Weninger/Schürmann – laufen in die Erde. Auf der dem Tal zugewandten Seite ist das Thema der Erdung durch ein Weinglas symbolisiert, dessen Stiel in den Boden hinein verläuft. Wie ein Füllhorn ist es mit Wein und Weintrauben gefüllt – es repräsentiert den Aspekt der Fülle. Maria Schürmann nennt den Stein die „Weingarten-Mutter“.

 

Spern Steiner (Balf, Ungarn)

Weingartenstein Steiner Balf KonzentrationKonzentration und Ausgleich

Ort: im Spern Steiner oberhalb des Höllesgrunds
Steinherkunft: Feldstein aus Spern Steiner

Diese Weingärten der Riede Spern Steiner liegen im ungarischen Weingut Weninger, in Balf bei Sopron. Der Boden im Spern Steiner ist sehr konzentriert und reich an Glimmer und Quarz. Der steinreiche Boden lässt das Wasser in tiefe Bodenschichten abfließen. Die Reben wachsen langsam, der Wein ist sehr konzentriert. Diese Lage braucht Ausgleich im Boden und Förderung des Wachstums damit der Wein zu seiner Harmonie finden kann. Der Stein betont diese Themen: Das Dreieck mit Pfeilen, die nach außen weisen, ist in der Biodynamie ein Symbol für Expansion und gleicht somit die Konzentration der Lage aus. Der Kreis oder Mond ist ein Symbol für den Ausgleich – er weist der Expansion den Weg. Gleichzeitig steht der Mond auch für das Wässrige welches diesem Boden doch sehr fehlt. Auch das verwendete Material symbolisiert einen Ausgleich: im Boden gibt es harten Granit und Glimmer, der Kalkstein aus dem angrenzenden Gebiet ist dagegen sehr weich. Der Stein steht oberhalb der Weingärten und blickt auf alle Weingärten des Spern Steiners und die Ebene des Neusiedlersees.

 

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