Warum Gault Millau anders ist, eine Hymne auf die andere Bewertung.

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Leute, die mich kennen wissen, dass ich Wein-Bewertungen gegenüber sehr kritisch bin und bei vielen Magazinen auch nicht mitmache – aber Gault Millau ist anders. Ich beziehe mich jetzt auf Gault Millau Österreich und ihre Weinbewertung, Gault Millau Ungarn verkostet anders, Deutschland wahrscheinlich auch.

Bewertungen sind immer subjektiv. In der Kunst oder auch in der Musik ging man daher schnell dazu über zu rezensieren, und nicht zu bewerten. Ich finde das auch hilfreicher, da man sich als Interessierter anhand eines Textes mehr vorstellen kann.

Aber die Zeit zum Lesen fehlt.

Überfordert mit den einprasselnden Informationen versuchen sowohl Facebook als auch Google zu filtern, aber auch wir Menschen filtern und lesen meist nur oberflächlich. Wir leben sozusagen in unserer Blase, da kommen Punkte gerade recht – sind sie doch sofort zu verstehen und schreien genau so laut wie der %-Nachlass beim Diskonter um die Ecke. Wir leben nun mal in dieser Zeit, können zwar hoffen dass sich etwas ändert, aber wissen tun wir es nicht.

Verkostungsredaktion.

Punkte und Zahlen sind also wichtig. Was machen die anders?
Gault Millau verkostet in einem Team. Klar, wirst du sagen, machen andere doch auch. Gault Millau hat ein sehr gemischtes Team von erfahrenen Journalisten bis hin zu Top Sommeliers. Auch hier kann man sagen – haben andere doch auch, aber…

Regionsspezifisch.

Gault Millau verkostet regionsspezifisch. Jede Weinregion spricht ihre eigene Sprache, daher sollte man diese einzeln verkosten. Hier geht die Redaktion noch weiter und verkostet die Weine der Region auch in der Region. Hier werden mich wieder viele als Esoteriker abstempeln, aber wenn man in eine Region reist bekommt man automatisch ein Gefühl für diese, trifft Menschen und ist dort wo der Wein entsteht, nicht im Elfenbeinturm.

Verkostungsreihenfolge.

Gault Millau verkostet immer die Serie eines Winzers. Ich finde das wichtig, denn so spürt man ob der Winzer einen Stil hat. Gibt es eine Linie, gibt es eine Vision? Wie in der Kunst sehe ich das als wichtiger an als das einzelne Kunstwerk an sich. Auch in der Musik ist das Album eine abgeschlossene Einheit, so wie der Jahrgang beim Winzer. (Andere Magazine/Verkostungen stellen sich Weine sortenweise auf, meist nach Alkohol gereiht. Hier wird dann klar was rauskommt – die kühlere Region verliert, allein schon psychologisch, da sie am Anfang verkostet wird.)

Wars das schon?

Nein, Gault Millau Österreich kauft sich Weine die nicht vom Winzer zu Verfügung gestellt werden. Natürlich nicht alle, aber falls ein Weingut nichts schickt und dieses als wichtig betrachtet wird, wird der Wein gekauft. Ich weiß nicht wie die sich das leisten können aber sie machen es. Hut ab! Davor hab ich wirklich Respekt!

Gibts auch Negatives zu erzählen?

Ja, leider, Gault Millau hat nicht den Einfluss auf den Markt den es verdient. Eine Gault Millau Top-Bewertung bringt einem als Winzer am Markt leider noch nicht viel. Ist halt einfach so, gehört meiner Meinung nach aber geändert. Also liebe Weinfreunde: Kauft euch das Buch und bildet euch eure Meinung, meine Meinung ist ziemlich d’accord mit Petra Bader und ihrem Team.

Hier unsere Bewertung von 2017 – große Freude und Dank!

„Selbst in schwierigen Weinjahren wie 2014 steht die Kollektion von Franz Weninger bestens da. Bestechend, mit welchem Zug und welcher Eigenständigkeit jeder einzelne Wein strahlt. Der Dürrau 2013 ist wieder eine Klasse für sich. Unser Lieblingskind der Redaktion kommt von jenseits der Grenze: der Steiner 2013. Saftigkeit, Finesse und Mineralität prägen diesen großartigen Stoff. Bravo!“

 

19,5     Dürrau 2013
18,5     Steiner 2013
18        Kirchholz 2014
17,5     Hochäcker 2014
17        Saybritz Welschriesling 2015
16,5    Horitschoner Blaufränkisch 2014
15        Franz 2014

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